Rüber in die Freiheit: Im Kampf gegen die Tyrannei in China



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(Deutsch)
Der 9. November ist ein wichtiger Tag für Deutschland. Das deutsche Kaiserreich endete 1918 an diesem Tag und die Weimarer Republik wurde ausgerufen. Aber 20 Jahre später wählte Hitler diesen Tag, um in der Reichspogromnacht Juden töten zu lassen. Doch 1989, fiel unerwartet die Mauer, die Ost- und Westberlin, Ost- und Westeuropa, während des kalten Krieges trennte. Vor dem Mauerfall riskierten jedoch viele ihr Leben oder ihre Sicherheit für Freiheit und Demokratie, indem sie die Grenze überquerten. Das zeigt uns, wie wichtig den Menschen Freiheit ist.

Im selben Jahr, einige Monate vor dem Fall der Mauer, protestierten in Peking die Menschen ebenso für Freiheit und Demokratie. Im Gegesatz zu den glücklichen Ereignissen in Berlin, ignorierte Peking die Forderungen der Demonstranten und das Militär schlug die Proteste im Tiananmen-Massaker gewaltsam nieder. Bis heute leugnet die Regierung Kommunistische Partei Chinas die Ereignisse jenes Tages und behauptet, alle getroffenen Entscheidungen seien notwendig gewesen.  

Heute, 30 Jahre später, riskieren die Menschen in Hongkong ebenso ihre Sicherheit, ihre Zukunft, durch eine mögliche Festnahme und Verurteilung, sowie ihr Leben, um für ihre Freiheit zu kämpfen. Die Polizei hat alle Vernunft hinter sich gelassen und ihre Macht während vieler friedlicher Demonstrationen missbraucht.

Vor zwei Wochen wurde der Hongkonger Aktivist Joshua Wong von den Lokalwahlen im November ausgeschlossen. Das aktive Wahlrecht wurde ihm damit von der Hongkonger Regierung eindeutig verweigert. Aus diesem Grund protestieren die Hongkonger noch immer, um für eine wirkliche Umsetzung der lokalen Verfassung und allgemein für eine bessere Zukunft zu protestieren.

Die Proteste in Hongkong dauern nun schon fünf Monate an. Am 9. Juni dieses Jahres habe ich hier in Berlin zum ersten Mal eine Demonstration in Berlin organisiert. Ich trug ein "Wo ist Walter?"-T-Shirt und wurde von verschiedenen Medien aus Deutschland interviewt. Heute ist der 9. November, fünf Monate nach den ersten großen Protesten gegen das Auslieferungsgesetz in Hongkong, und ich trage jetzt einen Wintermantel. Der Sommer der Proteste wird zu einem Winter der Proteste. 

Während dieser Proteste rieten uns viele Freunde aus Deutschland, friedlich zu demonstrieren, wie bei den Montagsdemonstrationen vor dem Fall der Berliner Mauer. Die Montagsdemos wurden erst für Reisefreiheit abgehalten, wurden aber später zu Protesten für allgemeine Freiheitsrechte. Genau so waren die ersten Demonstrationen in Hongkong gegen das Auslieferungsgesetz, aber nach und nach wurde uns bewusst, dass die Wurzel aller Probleme das ungerechte politische System war. Zudem versucht die chinesische Regierung die eingeschränkte Autonomie Hongkongs noch weiter untergraben, in dem sie gegen das verfassungsmäßige Prinzip namens "Ein Land, zwei Systeme" verstößt.

Hongkong ist nicht der einzige Ort, der wirtschaftlich oder politisch von China bedroht wird. Unsere Nachbarstädte und Regionen wie Taiwan, Tibet und Xinjiang werden auch von unterdrückt. Wir wollen den heutigen Tag nutzen, um zu zeigen, wie entschlossen wir sind, gegen diese Tyrannei zu kämpfen.

Wie Margot Käßmann sagte: “Dass Gebete und Kerzen eine Diktatur in die Knie zwingen könnten, haben wir manchmal ja selbst nicht zu hoffen gewagt./ That prayer and candles could bring a dictatorship to its knees — this was sometimes that, at times, not even we dared to hope.”

Der Erfolg der Proteste in Chile hat uns gezeigt, dass wir weiter kämpfen müssen und eines Tages wird die Regierung auf die Forderungen der Demonstranten eingehen müssen. Wie einige Chilenen sagten: "Wir werden nicht zur Normalität zurückkehren, weil diese Normalität das Problem ist." Und wenn wir zur sogenannten Normalität zurückkehren, werden wir einen hohen Preis bezahlen müssen, nicht nur die Zukunft der nächsten Generation, sondern auch die Freiheit, die wir jetzt noch haben, ist bedroht.

Vergesst nicht, dass Demokratie nicht selbstverständlich ist und vergesst nicht die Kämpfe der vorherigen Generationen. Viele Menschen fragen mich oft, was sie tun können, wenn Hongkong so weit weg ist. Meine Antwort ist: Eure Unterstützung für Hongkong ist sehr wichtig, aber beschränkt diese Unterstützung nicht nur auf Hongkong. Ihr solltet also Leute aus aller Welt unterstützen, die ebenso gegen ein autoritäres Regime oder ein undemokratisches System kämpfen.

Andererseits sollten unsere Freunde aus Deutschland auch ihre Freiheit bewahren und aufstehen, bevor es zu spät ist. Mit der Zustimmung Angela Merkels zur Zusammenarbeit mit Huawei am 5G Internet-Projekt kommt Chinas Überwachung auch in die freie Welt.

Am Ende möchte ich Prof. Dr. Jhy-wey Shieh (謝志偉), dem World Uyghur Congress und International Campaign for Tibet für die Teilnahme an dieser Versammlung danken, trotz der Kurzfristigkeit. Und allen Freiwilligen, die diese Veranstaltung möglich gemacht haben.

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Fünf Monate sind vergangen und viele Leute fragen, warum wir noch protestieren, obwohl das Auslieferungsgesetz schon zurückgezogen wurde. Die Rücknahme des Gesetzes kam nicht von allein, wir haben dafür einen hohen Preis bezahlt. Mehr als 3000 Demonstranten wurden verhaftet, viele Bürger wurden von Polizei und Schlägern angegriffen, mindestens acht Personen nahmen sich aus Protest das Leben, ein Student fiel aus dem dritten Stock, um dem Tränengas zu entkommen, mindestens drei Demonstranten haben dauerhaft ihr Augenlicht verloren. Während der Proteste gab es zahllose Verletzte, aber die Regierung in Hongkong weigert sich, die Verantwortung für ihre Fehler zu übernehmen und die Polizeigewalt untersuchen zu lassen. Das alles, weil wir nicht unsere eigene Regierung wählen können und die Regierung nicht die unsere ist.

Die Lokalwahlen in Hongkong stehen bevor, niemand weiß, was passieren wird. Aber wir sollten die Hoffnung nicht verlieren, wir werden uns weiterhin gegen die Diktatur wehren. Heute gibt es in Hongkong sogar eine Demonstration, die sich auf den Mauerfall beruft, da die Menschen dort die Erfahrungen der Menschen unter der DDR-Regierung nachvollziehen können.


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(English)

9th November is a remarkable day for Germany. German monarchy ended in 1918, the WEIMAR Republic (MORE POSITIVE TERM) was formed. However, 20 years later, THE NAZIS chose this day to KILL JEWS DURING THE NOVEMBER PROGROMS. Then in 1989, the wall which separated East Berlin and West Berlin, EASTERN AND WESTERN EUROPE during the cold war, was torn down unexpectedly. However, before the wall fell, many risked their lives or safety to seek freedom and democracy by crossing the border. This can show how important freedom to people is.

In the same year, a few months before the fall of the Berlin Wall, people in Beijing also protested for freedom and democracy. Unlike the happy ending in Berlin, Beijing ignored the requests of protesters and enforced military crackdown on them, which led to the Tiananmen Massacre. Till now the Communist Party of China keeps denying what happened on that day, and claim all the decisions made were necessary acts

30 years later today, people in Hong Kong are also risking their personal safety, future (in case they get arrested and sued) as well as their lives to fight for their freedom, since Police has lost their rationality and abused their power during many peaceful demonstrations.

Two weeks ago, Hong Kong activist Joshua Wong was banned from entering the upcoming district election in November. The right to be elected was clearly deprived by the government. That's why HKers are still protesting, to fight for a better execution of the constitution and also a better future.

Protests in HK entered its 5th month. On 9th of June this year, it was the first time for me to organise a demonstration in Berlin. I was wearing a “Where is Wally” T-Shirt and being interviewed by different press in Germany. Now it is the 9th of Nov, 5 months after the first big anti-extradition bill protest in Hong Kong, I am now wearing a Winter coat. Summer of discontent is becoming Winter of discontent.

During these 5 months, our German friends often recommend us to protest in a peaceful way, like the Monday Demonstrations before the fall of the Berlin Wall. Monday Demonstrations were first organized to protest for travel freedom, but later it turned out protest for all kinds of freedom. Likewise, protests in Hong Kong were initially against the extradition bill, but gradually we realized all the problems were caused by the unjust political system. What’s worse, the Chinese government still want to intervene the restricted autonomy of Hong Kong by infringing the “one country, two systems” contract.

Hong Kong is not the only place being threatened by China economically or politically. Our neighbouring cities and AREAS like Taiwan, Tibet, Xinjiang are also facing oppression from China. Today, we would like to use this occasion to show how determined we are to fight against the tyranny.

Like Margot Käßmann SAID “Dass Gebete und Kerzen eine Diktatur in die Knie zwingen könnten, haben wir manchmal ja selbst nicht zu hoffen gewagt./ That prayer and candles could bring a dictatorship to its knees — this was sometimes that, at times, not even we dared to hope.”

The result of Chile's protest taught us that we have to keep fighting and one day the government will have to answer protesters' requests. Like what CHILEANS said “We will not return to normality, because normality was the problem” And if we return to so-called normality in Hong Kong, we would have to pay a high cost, not only the future of Hong Kong’s next generation, but also freedom that we still enjoy today.

Don't forget that democracy does not come for free and don’t forget the hard fight of the past generation. People often ask me what they can do when they are so far away from Hong Kong. I would say, your support to HK is very important, but please don’t limit your support only to Hong Kong. You should also support people from all over the world, who are also FIGHTING against AN authoritarian regime or undemocratic system. 

On the other hand, friends from Germany should keep on safeguarding their freedom, stand up at the right time before it gets too late. As Angela Merkel agreed to work with Huawei on the 5G network project, surveillance from China is approaching to the free world.

Lastly, I would like to thank Prof. Dr. Jhy-wey Shieh, World Uyghur Congress and International Campaign for Tibet for joining this assembly, despite the short notice. And also volunteers who make this assembly HAPPEN.


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5 months passed and people keep asking why we are still protesting when the bill is already withdrawn. The withdrawal didn’t come for free, we paid a huge cost for it. Over 3000 protestors were arrested, many civilians were attacked by police and thugs, over 8 protestors took their lives to protests, a university student fell from the 3rd floor while he was dodging the tear gas shot, over 3 protestors lost their eyesight permanently. There are countless injuries during THESE protestS but the government refused to be accountable for their mistakes and to investigate police brutality. Because we cannot vote our own govt and we are not the owner of the govt.

District election in HK is around the corner, nobody knows what WILL happen. But we should not lose hope, we will keep resisting against dictatorship. Today in Hong Kong, there is even a protest using the fall of the Berlin Wall as a theme, as people in HK can relate to the hard time german people experienced under the rule of GDR government.)