Wundert es dich nicht, dass die Regierungsvorsitzende Hongkongs Carrie Lam Anfang September offiziell angekündigt hat, das Auslieferungsgesetz mit China zurückzuziehen aber bisher nichts passiert ist? Sie hätte dies bereits im Juni tun können als zwei Millionen Menschen gegen die Verabschiedung des Gesetzes auf die Straße gingen. Sie hätte es stoppen können als sich junge Hongkonger das Leben nahmen und in ihren Erklärung das Scheitern der Demokratie in Hongkong verantwortlich machten. Die Regierung Hongkongs versucht die eigene Bevölkerung samt allen internationalen Unterstützerinnen hinters Licht zu führen.

Und mittlerweile sehen wir es klar und deutlich. Jetzt wo die Ratifizierung des Gesetzes vorläufig gestoppt wurde und sich aber nichts verändert hat: Hongkong entwickelt sich nach und nach zu einem Schurkenstaat.

Wir haben mit Bitterkeit feststellen müssen, bei wem das Machtmonopol liegt. Die Protestbewegung befindet sich noch ganz am Anfang und wir kämpfen gegen ein tiefliegendes systematisches Problem.

Wir hoffen, dass auch die Deutsche Regierung ihren Einfluss in der Europäischen Union geltend machen kann und wir haben dazu einen Katalog an Möglichkeiten aufstellt.

- Es müssen sofort Exportstopps für Wasserwerfer und ähnliches Equipment zur Kontrolle von Menschenmassen eingerichtet werden

- Es muss ein Sonderecht für Visums- und Asylanträge für politisch Verfolgte, siehe Demonstrierende, aus Hongkong eingerichtet werden

- Darunter sind auch jene zu fassen, die sich Repressionen durch die Polizei ausgesetzt sehen - Das Konzept „Ein Land zwei Systeme“ und der Kampf für Menschenrechte und freiheitliche
demokratische Grundwerte sollte unterstützt werden

- Die Auseinandersetzungen zum Thema Menschenrechte, siehe Tibet, Xinjiang und Hongkong sollten heute vehementer als zuvor Teil der der Europäisch-Chinesischer Handelsgespräche sein

- Auch die Wahrung der Meinungs- und Versammlungsfreiheit der Hongkonger Bürgerinnen mit Wohnsitz innerhalb der EU sollte weiterhin als hohes Gut betrachtet werden

Heute vor genau fünf Jahren fand in Hongkong die sogenannte Umbrella, zu Deutsch Regeschirm-Bewegung statt. Eine zentrale Forderung von damals bleibt bestehen. Wir wollen unsere Regierungsvertreterinnen eigenständig und demokratisch wählen. Wir werden, nein wir können nicht aufhören uns dafür einzusetzen. Es gibt keine Möglichkeit umzukehren.

Jeder Mensch sollte das Recht haben frei von Angst leben zu können. Jeder Mensch sollte Rede- und Meinungsfreiheit genießen dürfen.

Und für diesen Kampf bitten wir um Eure Solidarität.
Ein Hauptpfeiler der Demokratie ist die freie Meinungsäußerung. In den vergangenen fünf Monaten sind bereits mehr als 1600 Demonstrierende bei der Ausübung jenen Rechtes festgenommen worden. Einige davon sind in sind in der umstrittenen Strafanstalt San Uk Lan Holding Center untergebracht und ihnen wurde bis Dato der Familien- und noch schwerwiegender, der Anwaltsbesuch seitens der Polizei verweigert. Berichten zufolge erlitten einige Demonstranten bei der Verhaftung oder nachträglich Verletzungen, darunter schwere Blutergüsse und Knochenbrüche, die erst viele Stunden später angemessen medizinisch behandelt wurden. Weibliche Demonstrierende wurden während ihrer Inhaftierung von der Polizei sexuell belästigt oder mussten sich demütigender Untersuchungen vor versammelten Polizistenmannschaften unterziehen lassen. Trotz dieser Kontroversen ignorierte die Regierung die Aufforderungen von Gesetzgebern und unparteiischen Schiedsrichtern die Haftanstalt zu besuchen zu können. Bis jetzt gibt es keine Möglichkeit, die Berichte auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Deshalb bleibt unsere Forderung nach einer unparteiischen Kommission zur Untersuchung von Polizeigewalt weiter bestehen.

Am 31. August stürmte die Bereitschaftspolizei mit Schlagstöcken und Pfefferspray bewaffnet in ein Zugabteil der U-Bahn und griff wahllos unschuldige Passagiere an. Viele wollten nur nach dem Abendessen nach Hause zurückkehren. Dabei wurden unzählige Zivilisten verletzt; einige wurden bis zur Bewusstlosigkeit geprügelt. Die gesamte Station wurde direkt geschlossen und Journalisten, und viel schwerwiegender medizinischem Personal wurde der Zugang verweigert. Bis heute ist der Verlauf nicht eindeutig geklärt und die Verkehrsbehörde (MTR) weigert sich die Videoaufnahmen der Überwachungskameras zu veröffentlichen.

Bis dato haben bedauerlicherweise mindestens neun Menschen den Freitod gewählt und dabei ihr Verzweiflung zur Entwicklung Hongkongs zum Ausdruck gebracht. Eine Arzthelferin und eine Journalistin haben am Rande der Demonstration durch Gummigeschosse der Polizei ihr Augenlicht verloren. Der Druck durch Arbeitgeberinnen mit Verbindungen nach China hat enorm zugenommen und es wurden bereits vielen Menschen Aufgrund ihrer politischen Haltung gekündigt. Siebzehn Wochen Protest haben ihren Tribut gefordert und dabei Hongkongs hässlichste Seite nach Außen gekehrt.

Es gibt jetzt kein Zurück mehr, bis unsere Forderungen bis zur letzten erfüllt sind.

Deutschland feiert den 30. Jahrestag des Mauerfalls. Seit dem Tag der Wiedervereinigung gelten dieselben demokratischen Freiheiten für alle Bürgerinnen der BRD. Leider scheinen einige deutsche Unternehmen vergessen zu haben, wie wichtig und kostbar jene Freiheiten für ein Land sind. China, ein Land ohne Demokratie und ohne Würdigung der universellen Menschenrechte ist derzeit Deutschlands wichtigster Handelspartner. Und umgekehrt haben viele chinesische Unternehmen in Deutschland investiert. So erhielt Chinas größter Batteriehersteller Contemporary Amperex Technology Ltd. (CATL) im Juli 2018 die Genehmigung, eine riesige Batteriezellenfabrik im deutschen Bundesland Thüringen zu errichten, dessen Fertigstellung ist für 2021 geplant. Daimler hat bereits einen milliardenschweren Vertrag über die Lieferung von Kraftstoffzellen unterzeichnet und BWL bestätigt ebenfalls, dass das Unternehmen plane für knapp vier Milliarden Euro Batteriezellen aus dem neuen Werk zu kaufen. Die New York Times zeigte bereits auf, dass die Konkurrenz aus China über Kurz oder Lang dazu führen wird, dass die Deutsche Inlandsproduktion nicht mithalten kann und letztendlich untergehen wird.

Seit Jahren nutzt China seine wirtschaftliche Macht aus um die Politik in Hongkong zu beeinflussen. Und man kann beobachten wie sich sich der Einfluss bereits jetzt auf den Rest der Welt ausdehnt. Mit diesem Protest möchten wir den Berlinerinnen eine wichtige Botschaft übermitteln:

Hongkong steht an der Front des globalen Kampfes gegen den (chinesischen) Totalitarismus. Um es mit den Worten Nelson Mandelas zu sagen: Wir wissen, dass es keinen einfach Weg zur Freiheit gibt (…), wir müssen daher als geeintes Volk zusammenarbeiten“. Um das zu erreichen rufen wir dazu auf, dass sich unsere Freunde in Berlin uns anschließen um uns und die aktuellen Proteste in Hongkong zu unterstützen.
Wir haben fünf Forderungen aufgestellt, die den Kern des Protestes ausmachen, sie lauten wie folgt:

1. Wir fordern die vollständige Rücknahme des Auslieferungsgesetzes nach China

2. Wir fordern das Einrichten einer unabhängigen Kommission zur Untersuchung der Polizeigewalt und des Amtsmissbrauchs im Rahmen des Protests

3. Wir fordern die Revision des Begriffes „Aufstand“ und den damit einhergehenden Anschuldigungen

4. Wir fordern eine sofortige Freilassung der inhaftierten Personen und ein Fallenlassen der Anklagen

5. Wir fordern die Einführung eines universellen Wahlrechts für Hongkong

Five Demands, not one less! Fünf Forderungen und keine weniger!

Eine Regierung soll dem Volk dienen und nicht umgekehrt. Die einzige Lösung für die derzeitige politische Krise und die Unzufriedenheit in der Bevölkerung besteht in der Beteiligung der Menschen an der politischen Entscheidungsfindung. In Zeiten wie diesen ist ist unabdingbar auf die Stimme des Volkes zu hören.


Steht Deutschland noch für seine Freiheit?



Autor: Wir für Hongkong
11.Jan.2020
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Vor dem Erfolg des Pro-Demokratielagers bei den Kommunalwahlen Hongkongs am 24. November 2019 verschärfte sich die Protestsituation zunehmend seit Beginn November. Bei Polizeieinsätzen wurde die Chinese University of Hongkong (CUHK) umzingelt. Die Polizei feuerte  rund 1500 Tränengaseinheiten und zahlreiche Gummigeschosse. Hunderte Demonstranten, vor allem Studenten, wurden dabei verletzt. Stundenlang versuchten die polizeilichen Einsatzkräfte auf das Campus-Gelände einzudringen, zogen sich aber nach heftigem Widerstand der Studierenden zurück. Nach diesen Auseinandersetzungen an der CUHK umlagerte die Polizei die Hong Kong Polytechnic University (PolyU). Bei dem Versuch seitens der Polizei, den Campus zu räumen, kam es zu noch drastischer Gewaltanwendung. Der allgemeine Studierendenausschuss der Technischen Universität (Asta der TU) Berlin veröffentlichte Anfang November eine Stellungnahme zur Unterstützung der PolyU. Mitglieder des Astas erhielten daraufhin Morddrohungen per E-Mail mit der Aussage, sie sollen sich nicht in die inneren Angelegenheiten Chinas einmischen.


Die Kritik seitens Chinesischer Gruppierungen erscheint paradox, da sie sich nicht nur in die inneren Angelegenheiten des Astas der TU Berlin einmischt, sondern auch die Rede- und Meinungsfreiheit verletzt. Ist dieser Vorfall der einziger seiner Art in Deutschland? Geschieht dies ausschließlich in Deutschland und was lehren uns solche Vorfälle?


Kurz nachdem der Asta der TU öffentlich bekannt gab, dass einzelne Mitglieder Morddrohungen erhalten hatten, berichtete Gyde Jensen (FDP) von ähnlichen Erlebnissen nach Äußerungen hinsichtlich der Menschenrechtsfrage in den Umerziehungslagern Uiguren. Absurder weise wurden auf Druck Chinas hin die Worte „Berlin process“, aus einem Text des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen bezüglich Lyibiens entfernt, nachdem Heiko Mass den Hong Kong-Aktivisten Joshua Wong bei einer Presseveranstaltung im September getroffen hatte. Wong hatte während seiner Deutschland-Reise geäußert, dass Hongkong das neue Berlin unserer Zeit sei. Er bezog sich hierbei auf das getrennte Berlin nach dem zweiten Weltkrieg. Nicht nur deutsche Staatsangehörige werden bedroht oder in ihrem Handeln behindert, insbesondere sind hiervon chinesische Bürger, die derzeit in Deutschland leben, betroffen. Ein uigurischer Aktivist, der versuchte von aktuellen Geschehnissen in seiner Heimat Xinjiang, einer Provinz Chinas, zu berichten, erhielt einen Anruf seiner dort lebenden Schwester mit der Bitte, an seine Familie zu denken und seinen Aktivismus in Deutschland aufzugeben. China versuchte durch Bedrohung der in China lebenden Familienangehörigen den Aktivismus in Deutschland stumm zu schalten. Es liegt auf der Hand, dass dieses Vorgehen eine Verletzung sowie eine Einflussnahme auf den Aktivitäten der Meinungsfreiheit in der Bundesrepublik darstellt. Enttäuschender ist jedoch, dass trotz Anhörung im deutschen Parlament keine Maßnahmen zum Schutz der Menschen in Deutschland unternommen wurden.


Deutschland ist jedoch kein Einzelfall: Ähnliche Fälle sind aus Frankreich, den Vereinigten Staaten, Australien und weiteren Ländern bekannt. Einzig Australien verabschiedete ein Gesetz, welches fordert, dass für fremde Regierungen arbeitende Ausländer in Australien ihre berufliche Verbindung zu der jeweiligen Regierung bekannt machen müssen. So soll verhindert werden, dass China sich politische Einflussnahme erkauft. Mitglied der Grünen Margarete Bause, der die Einreise nach China weg Kritik am Land nicht mehr gestattet ist, spricht sich für Gesetze zum Schutze derer, die gegen totalitäre Regime von Deutschland aus kämpfen.


Die Stellungnahme der Vereinigten Nationen verdeutlicht, dass China in der Lage ist, die internationale Politik zu beeinflussen. Dies ist in Deutschland in diesem Jahr geschehen. Laut der Zeitung Deutschen Welle ist seit 2015 ein Anstieg Investments Chinas in den Erwerb von Unternehmen zu verzeichnen. 2017 stieg der Investitionswert auf 37 Milliarde US Dollar, was einen großen Teil der deutschen Wirtschaft ausmacht. Wir vermuten, dass der zunehmende wirtschaftliche Einfluss Chinas in Deutschland den Grund für die Ablehnung des Antrags der Grünen Ende Oktober diesen Jahres war, welcher die Inhaftierten in Xinjiang sowie die Demonstranten in Hong Kong unterstützen sollte. Ist Deutschland trotz wachsender wirtschaftlicher Abhängigkeit von China zu einer unabhängigen Gesetzgebung fähig?Nach den Ereignissen der letzten Monate sind wir darum besorgt, ob Deutschland wirklich eine starke Position zum Schutz seiner Freiheit und seiner Bürger einnehmen kann. Kann Deutschland Gesetze gegen den wachsenden Einfluss Chinas erlassen, wenn die deutsche Wirtschaft immer mehr von China abhängig wird?




1) „Nach Solidaritätserklärung mit Hongkong Asta der TU Berlin erhält Morddrohungen“, Tagesspiegel (2019)

2)  „Hong Kong's Protests Linked to Libya War in Only-at-the-UN Spat“, Bloomberg (2019)

3) vgl. „Democracy activist: 'Hong Kong is the new Berlin’“, Deutsche Welle (2019)

4) „'Think of your family': China threatens European citizens over Xinjiang protests“, The Guardian (2019)

5)  „China's unsatisfied hunger for German companies“, Deutsche Welle (2017)




Für die Freiheit der Anderen (為他人的自由而戰)


Autor: Liao Yiwu, 28. Mai 2019 in Hamburg
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(Grußwort an die Versammlung der internationalen Exilanten in Hamburg)


Ich habe immer wieder gesagt, mein Mut und alles, was ich bin, hat seinen Ursprung im Gefängnis, hierin unterscheide ich mich von anderen chinesischen Autoren. Im Gefängnis habe ich zur Genüge Erfahrungen mit der Folter gemacht und habe zweimal versucht, mir das Leben zu nehmen, aber es war auch das Gefängnis, in dem ich gelernt habe, im Geheimen zu schreiben, und in dem ich von einem über 80 Jahre alten Mönch das Flötenspiel gelernt habe. Beim Flötenspiel habe ich verstanden, dass „Freiheit im Inneren entspringt“.

Wer innerlich frei ist, ist der natürliche Feind jedes diktatorischen Regimes, der jeweilige politische Standpunkt ist zweitrangig. Entscheidend ist, dass man den Schrecken und die Gram des Freiheitsverlustes und des Ausgeliefertseins erfahren hat, erst dann kann man mit allem, was man hat, für die Freiheit der Anderen kämpfen.

Einen Großteil meiner Zeit war und bin ich, vom professionellen Schreiben einmal abgesehen, ein Geschlagener. So ist Li Bifeng, ein Freund meiner dreimaligen Gefängnisaufenthalte, kurz nach meiner Flucht über die chinesisch-vietnamesische Grenze im Juli 2011 unter dem Verdacht der Beihilfe verhaftet und wegen eines frei erfundenen Wirtschaftsvergehens als Warnung an alle anderen zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Ich musste mich natürlich für ihn einsetzen, aber es sind schon acht Jahre vergangen, er ist immer noch im Gefängnis und seine Frau hat ihn verlassen. Sein einziger Trost ist, dass ich ihn nicht vergessen habe. Vor nicht allzu langer Zeit habe ich bei einer Lesung aus „Die Kugel und das Opium – Leben und Tod am Platz des Himmlisches Friedens“ in einer Pariser Buchhandlung sein unsterbliches Gedicht „Winterschlaf“ gelesen:


Der Winter kommt früh

unsere Bäume verdorren

kein Nährstoff mehr, Göttern zu weih'n

so friert uns die Zeit über's Haar

grauen allmählichen Firn

rissig die Haut wie das Schildpatt der Felder

der Winter ist da

wir lieben den Schlaf

das Herz ist müd

das Blut ist müd

wir schlafen unter dem Schnee

in so einem Land

bleibt nur der Schlaf


Ich glaube felsenfest daran, dass dieses Gedicht sich für alle Zeiten als Zeugnis in die chinesische Literaturgeschichte nach dem Massaker vom 4. Juni 1989 einschreiben wird. Doch als der Exilant, der ich bin, hat meine Beharrlichkeit ihm nicht aus der Haft geholfen. Später hat eine noch fatalere Katastrophe als der Schnee aus Li Bifengs Gedicht ganz China bedeckt. Noch mehr Freude sind inhaftiert worden, allein aus meiner alten Heimat Sichuan waren es unter anderen Liu Xianbin, Huang Qi, Chen Wei und Chen Bing. Auch mein enger Freund Liu Xiaobo, der viermal im Gefängnis war, ist am 13. Juli 2017 in seinem Käfig ermordet owrden. Wir haben alles in unserer Macht stehende zu seiner Rettung getan, hatten am Ende aber keinen Erfolg. Auch wenn Liu Xiaobos Witwe später nach Deutschland entlassen wurde, war das doch ungeheuer schmerzhaft erkauft – außerdem wird das alles sehr schnell in Vergessenheit geraten: China ist immer noch der größte kapitalistische Markt der Welt, der Handelskrieg Amerikas gegen China hat mit seinem unaufhörlichen Auf und Ab längst die Erinnerung an Li Bifeng und Liu Xiaobo und all die anderen zu verwischen begonnen – die vulgäre und grausame Welt hat keinen Bedarf mehr an Helden, die für die Demokratisierung ihres Vaterlandes ins Gefängnis gehen, ob es sich um eine unwichtige Ameise handelt oder um einen Nobelpreisträger – ich habe das verstanden, habe das verstanden und obwohl ich eigentlich schon genug darüber geschrieben habe, schreibe ich weiter – so wie vor über 2000 Jahren Platon die philosophische Debatte, die dem Tod des Sokrates im Gefängnis voranging, festgehalten hat. Ohne die Schriften Platons wäre auch Sokrates von der Zeit weggewischt worden, auch sein Tod wäre ein langsam in der Ferne verblassendes Rätsel und würde uns nicht heute noch aufwühlen.



Es stimmt, ich habe „Für ein Lied und 100 Lieder – Ein Zeugenbericht aus chinesischen Gefängnissen“ und „Die Kugel und das Opium“ geschrieben, beide Bücher bilden eine Einheit und erinnern an die Opfer des großen Massakers auf dem Tiananmen vor 30 Jahren, viele starben, viele hat das Gefängnis zerstört – und selbst wenn sie entlassen worden sind, wissen sie in dem größeren, mauerlosen Gefängnis, das China heute ist, am Morgen nicht, ob sie den Abend erleben werden – besser sterben, als so zu leben. Als Liu Xiaobo am 13. Januar 2000 zum dritten Mal aus dem Gefängnis entlassen wurde, hat er mir nach der Lektüre von „Für ein Lied und 100 Lieder – Ein Zeugenbericht aus chinesischen Gefängnissen“ in einem Brief geschrieben: „Ich habe immer gewusst, dass nach dem 4. Juni viele zu viel schwereren Strafen verurteilt worden sind als ich als einer der Hauptpersonen und das unter Haftbedingungen, die sich normale Menschen überhaupt nicht vorstellen können. Aber bevor ich Dein Buch gelesen hatte, war das nicht mehr als ein Gefühl. Erst durch Dein Buch konnte ich den Puls der Opfer der Tragödie vom 4. Juni fühlen. Meine Scham ist nicht in Worte zu fassen, ich kann und werde deshalb die zweite Hälfte meines Lebens nur noch für diese verlorenen Seelen, für diese namenlosen Opfer leben. Alles kann vergehen, aber das Blut und die Tränen dieser Unschuldigen lasten für immer auf meinem Herzen. Schwer, kalt und kantig wie Steine ...“

„Für ein Lied und 100 Lieder – Ein Zeugenbericht aus chinesischen Gefängnissen“ berichtet über die vier Jahre, die ich im Gefängnis war, die ständig neuen, auch sexuellen Misshandlungen, die letzten Augenblicke der zum Tode Verurteilten, ihre Verzweiflung, ihre Abartigkeiten. Um in den engen Raubtierkäfigen zu überleben, hatte ich längst vergessen, dass ich ein politischer Gefangener war. Ich erinnere mich, am Vorabend des Zusammenbruchs der früheren Sowjet-Union wurde  Gorbatschow verhaftet und die „Bildung eines Notstandskomitees“ verkündet; und als stünde der Feind direkt vor der Tür, hat auch das Untersuchungsgefängnis von Chongqing die Wachen verdoppelt, vom Korridor im ersten Stock und den Eisenzäunen des Erdgeschosses waren zwei schwere Maschinengewehre auf uns gerichtet. Die Delinquenten wurden einer nach dem anderen zu Gesprächen herausgerufen, durften jedoch nichts anderes sagen als: „Sie haben die Sowjetunion und die Partei gerettet“. Ein Gefangener wusste nicht, was die Stunde geschlagen hatte, und sagte zu den Vorgängen in der Sowjet-Union: „Das ist eine Rebellion!“ Er wurde auf der Stelle zu Boden geworfen und ihm wurde ein Elektroknüppel in den Anus gesteckt.

Vor fünfzehn Jahren habe ich begonnen, Stoff für „Die Kugel und das Opium“ zu sammeln, ohne einen Gedanken, das je veröffentlichen zu können. Zahllose Straßenkämpfer wie Wang Weilin, der am 6. Juni vor den Panzern stand, sind erschossen oder von Truppen des Kriegsrechts totgeschlagen worden, wer nicht starb, verschwand spurlos, wurde zum Tode verurteilt, bekam lebenslänglich, zwanzig Jahre, zehn und mehr Jahre. Junge Burschen sind da hinein und mussten jede Art von Folter über sich ergehen lassen, sie stellten unter anderem irgendwelche Gummihandschuhe her, Vaginaldilatoren, Pappsärge und als sie impotent und frustriert herauskamen, konnten sie mit dem Turbokapitalismus nicht mehr Schritt halten.

Dann, im Alter von 53 Jahren, habe ich nach dem Yijing das Orakel befragt und erhielt als Antwort das Zeichen „Wiederkehr“. Das ist ein Hinweis auf den Sieben-Tage-Zyklus von Himmel und Erde. Also steckte ich meine beiden Manuskripte ein, überquerte mit Hilfe von Bestechung und Unterwelt die chinesisch-vietnamesische Grenze und ging ins Exil. Damals trug ich vier handgroße Nokia-Händies bei mir, ein offizielles, damit die Polizei etwas zu verfolgen hatte, zwei private, mit denen ich einseitig Verbindung hielt mit der Unterwelt und mit einem ungenannten deutschen Freund, und dann noch eins in Reserve. Immer wieder mussten die Akkus geladen werden. Diese primitive Vernebelungstaktik war damals sehr effektiv, während es mein wie ein Schatz gehütetes Nokia heute längst nicht mehr gibt und man für Händikarten, Schnittwerkzeug und entflammbare und explosive Stoffe den Ausweis scannen muss.


„Das Internet wird die Diktaturen zerstören und der Markt wird Demokratien gebären“, diese Prophezeiung eines bekannten amerikanischen Politikers, die eine Weile in aller Munde war, entsprach ganz der Ansicht des damaligen amerikanischen Präsidenten Clinton. Und so wurde mit tatkräftiger Unterstützung der USA China der Beitritt zur WTO erlaubt und es kam in den Genuss der Meistbegünstigungsklausel – über 20 Jahre später hat das Internet die Diktatur allerdings nicht zerstört, im Gegenteil, die Diktatur nutzt die Technik des westlichen Internets, um ganz China flächendeckend zu überwachen: wo man sich auch befindet, wer ein Dissident ist, kann und wird abgehört und verfolgt, jede Bankverbindung und jede Wortmeldung im Netz wird aufgezeichnet und kann später in einen Beweis für eine Gefährdung des Staates umgewandelt werden.

Im Restaurant, im Bahnhof, am Flughafen – dein Gesicht kann von der Polizei auf dem Händi oder dem Computer automatisch identifiziert werden: Die im Westen erfundene und unentwegt weitergetriebene Vernetzung und Vermarktung hat so den autoritären Systemen wirksame Hilfestellung geleistet. Und die westlichen Demokratien werden davon herausgefordert – so ist China im Besitz einer Firewall und einer Anti-Firewall, das Browsen von ausländischen Homepages ist ein „kriminelles Vergehen“, die Polizei hat das Recht, jemanden dafür zu verhaften; westliche Länder hingegen haben keine Firewall, fast alle Chinesen im Ausland und nicht wenige an China interessierte Ausländer können nach Belieben Dinge wie WeChat, Weibo und die Software von Huawei benutzen, wobei man sie, ohne dass sie sich dessen bewusst werden, überwacht und verfolgt. Wenn jemand irgendetwas Drastisches, Verdächtiges, Satirisches oder irgendwie Aufrührerisches äußert, werden die Administratoren von WeChat die Mahnung herausgeben, „die Account-Nummer zu löschen“, oder sie ohne vorherige Warnung einfach direkt löschen, für eine Weile ist man dann „spurlos verschwunden“ und die Familie und die Freunde im Land werden womöglich Ärger bekommen.

Der neueste Fall ist der der „Herbstregen Covenant Church“. Die Polizei hat durch die ständige Kontrolle dieses speziellen WeChat Freundeskreises am 9. Dezember 2018 an einem einzigen Abend über 100 Christen dieser Hauskirche festgenommen, eine ganze Reihe von Bankkonten eingefroren, alle Augenzeugenberichte jedoch getilgt. Im Mittelpunkt des Falles steht ein Pastor namens Wang Yi, ein langjähriger Dichterfreund und nicht weniger talentiert als Li Bifeng, den aber, als ich einen Aufruf für ihn veröffentlichte, im Westen kaum jemand kannte. Mir war klar, dass er, als ich die Arbeit vom Beginn meines Exils vor acht Jahren wieder aufnahm und einen der „Aufwiegelung zum Umsturz der Staatsmacht“ schuldigen Fremden bekannt machte, bereits seit sieben Monaten spurlos verschwunden war und eine Haft von über 10 Jahren zu gewärtigen hatte.

Ich möchte hier und heute ein Gedicht von Wang Yi lesen – hier und heute für Menschen wie ihn zu kämpfen, ist ein wichtiger Teil meine Lebens im Exil. Es ist sehr gut möglich, dass das keinen Erfolg haben wird, aber würde ich schweigen, wäre selbst der gescheiterte Enthusiasmus für immer verschwunden – aber gerade das war die Quelle für ein Zeugnis ablegendes Meisterwerk: Ein wirkliches „1984“ kann die Menschen entmutigen, doch das Buch „1984“ hat die Entmutigung gemildert:



In dieser Zeit musst du ein verdächtiges Gedicht schreiben.

Eine Zeile Chinesisch kann ein Regime stürzen.

Eine Sonett kann vierzehn Regime stürzen.



Auf geheimen Maskenbällen erkennt dich,

wer dich kennt. Wer dich nicht kennt, erkennt dich noch weniger.



In dieser Zeit musst du ein Gedicht schreiben, das die Anführer fürchten.

Eine Metapher ist ein nuklearer Sprengkopf.

Die Kurtisane weiß nicht[i], wie absurd, was da steht, weint um das Land.



Auch am schlimmsten Tag brechen riesige Wellen.

Der Tod wird, als Gefangener, vom Wasser verhaftet.



Wer ist nicht verwandt mit einem politischen Häftling? Nicht Witwe eines Gespensts?

In dieser Zeit ist die Lesung eines Gedichtes verdächtig.

Liest du es nicht, wirst du von ihnen gelesen.



In dieser Zeit führen die Blinden murmelnde Selbstgespräche.

Heilig, heilig, heilig. Der Blinde fragt den Tauben: Hast du es gesehen?



In dieser Zeit musst du ein verdächtiges Gedicht schreiben.

Als Verbeugung vor den Verdächtigen.


Liao Yiwu, 28. Mai 2019 in Hamburg

為他人的自由而戰

我一再說,我的勇氣,我的一切都源於監獄,這是我和其他中國作家不一樣的地方。在監獄裡,我受盡折磨,自殺了兩次,但我在監獄中學會了秘密寫作,還跟一個80多歲的老和尚學會了吹奏洞簫。從簫聲中體悟到“自由源於內心”。

    一個內心自由的人,是獨裁政權的天敵,而政治觀點倒在其次。關鍵是體驗過失去自由、任人宰割的可怕和可悲,你才會全身心地為他人的自由而戰,並把“為他人的自由而戰”作為一種信仰。

    大多數時候,在職業寫作之外,我是失敗的。比如我的三次坐牢的獄友李必豐,在我2011年7月從中越邊境出逃不久,警方懷疑他資助了我,於是抓捕了他,於是以莫須有的經濟罪名判刑10年,以儆效尤。我不得不為他呼籲,可8年過去了,他還在監獄裡,并妻離子散。他唯一的安慰是我還沒忘記他,前不久我在巴黎推廣《子彈鴉片-天安門大屠殺的生與死》的書店活動中,還在朗讀他不朽的《冬眠》:



冬季過早地來臨

我們的樹木開始乾枯

我們再也沒有養份去滋潤

於是我們的黑髮被歲月的雪

凍得漸漸斑白

我們的皮膚像龜裂的田野

冬季來了,

我們都愛冬眠

心臟累了,

血液累了

我們在雪底下冬眠

在這樣的國家

我們只有冬眠



    我堅信這首詩會作為永恆的證詞,載入六四大屠殺之後的中國文學史。可作為流亡者,我的堅持并沒有幫助他走出監獄。後來,更致命的災難像李必豐詩中的雪,覆蓋了全中國。更多的朋友進去了,僅僅故鄉四川,就有劉賢斌、黃琦、陳衛、陳兵等等。我的四次坐牢的摯友劉曉波,也於2017年7月13日被謀殺在囚籠,我們曾竭盡全力營救,但最終被打敗了。雖然他的遺孀後來被釋放到德國,可代價如此慘痛——況且這一切很快會被忘記,中國依舊是全世界最大的資本主義市場,美國發起的對中國的貿易戰,不斷持續的起伏震盪,已經在一點點抹掉對李必豐、劉曉波等人的記憶——這個庸俗而殘酷的世界不再需要這些為祖國走向民主而坐穿牢底的英雄,無論他是螞蟻般的小人物,還是諾貝爾和平獎得主——我明白這些,我明白雖然記錄得夠多,可還得寫下去——正如兩千多年前,柏拉圖記錄了蘇格拉底臨死前的那場獄中哲學辯論。如果沒有柏拉圖留下來的文字,蘇格拉底也會被時間抹掉,他的死也是一個漸漸遠去的謎,不會至今還激蕩著我們。



    是的,我寫出了《六四 我的證詞》《子彈鴉片》,兩本書是一個整體,都記述了30年前的天安門大屠殺的受難者,許多人死了,許多人被監獄毀了——他們雖然出了監獄,卻在一座沒有圍牆的更大的監獄中,朝不保夕,生不如死。2000年1月13日,劉曉波第三次出獄時,讀完《六四 我的證詞》,曾寫信給我:“......我一直知道‘六•四’後有太多的被捕者判得比我這樣的風雲人物重,獄中的條件之惡劣,非常人所能想像。但在沒有看到你的《證詞》之前,這只是一種感覺而已。 《證詞》才使我能夠真實地觸摸到‘六•四’悲劇的真正受難者的心跳。我的羞愧是無法形諸於文字的,所以,在我的後半生,只能為亡靈,為那些無名的受難者活著。什麼都可以過去,但無辜者的血淚是我心中永遠的石頭。沉重,冰涼,有尖利的棱角......”

    《六四 我的證詞》記錄了我四年牢獄,花樣翻新的酷刑,雞姦,死刑犯的最後時刻,絕望與變態。為了在狹窄的野獸籠子裡活下去,我已忘記我是政治犯。記得前蘇聯崩潰前夕,那邊囚禁了戈爾巴喬夫,宣布成立“緊急狀態委員會”;這邊的重慶看守所也如臨大敵,加了雙崗,在二樓過道和一樓鐵柵,竟有兩挺重機槍前後瞄準我們。犯人們被一個個叫出去談話,卻只能表示“他們挽救了蘇聯挽救了黨”。有個犯人不識時務,表示“這是謀反”,結果被按倒在地,被電警棍捅了肛門。

    十五年前,我開始了《子彈鴉片》的采寫,從未想過有出版機會。數不清的像六四坦克人王維林那樣的街頭抗暴者,有的被當場射殺,有的被戒嚴部隊抓住,活活打死,沒死的,有的失蹤,有的判死刑、無期、二十年、十幾年。血氣方剛的小伙子進去,受盡各種折磨,生產什麽橡膠手套、陰道擴展器、紙板棺材等等,出獄時卻被改造成跟不上資本主義潮流的陽痿的失意者。

    接著是53歲那年,我用《周易》占了一卦,得“復”。意思是天地的循環,以七日為周期。於是我懷揣這兩部證詞,買通黑社會走過中越邊境,流亡了。當時我隨身帶著四個拳頭大的諾基亞手機,一個公開的,供警方跟蹤,兩個私下的,與黑社會和德國一個隱身的朋友單線聯繫,還有一個備用。電池隨時裝卸。這套原始的障眼法,那時挺管用的,而現在,我的寶貝諾基亞早被淘汰,手機卡、刀具和易燃易爆品一樣,購買時都必須掃描《身份證》。

    “互聯網將摧毀專制,市場化將催生民主”,這曾是美國一位著名政客的風靡一時的預言,與當時的美國總統克林頓不謀而合。於是在美國的傾力支持下,中國被批准加入世貿組織,被給予最惠國待遇——20多年過去,不是“互聯網摧毀專制”,而是專制政權大肆利用西方網路科技,對全中國實行全面監控,不管你在任何地方,只要是一個異議分子,都會被竊聽和跟蹤,你的任何一次銀行進出和任何一段網上言論都會被記錄,並隨時轉換成你危害國家的罪證。

    在酒店、車站和機場,你的人臉會被警察從手機或電腦屏幕自動識別——被西方人發明和不斷升級的互聯網和市場化,就這樣有效地幫助了獨裁統治。進而挑戰西方民主——比如中國有防火牆,翻越防火牆,流覽海外網站是“違法犯罪”,警察有權抓人;而西方國家沒有防火牆,幾乎所有在海外的中國人,還有不少對中國感興趣的外國人,都可隨意使用微信、微博、華為軟體等等,卻不知不覺被監視和跟蹤,如果你有過激、可疑、諷刺或其它手段的顛覆言論,微信管理員就會發出「取消帳號」的警告,甚至不警告就直接取消,你暫時「失蹤」了,你在國內的家人、朋友說不定也會惹上麻煩。

    晚近的案例是成都秋雨聖約教案。警方通過對這個特定微信朋友圈的隨時掌控,在2018年12月9日晚間,同時抓捕了這個家庭教會的100多名基督徒,還凍結了不少銀行賬戶,卻抹去了一切現場目擊證據。教案核心人物王怡牧師,也是我多年的詩友,才華不在李必豐之下,當我為他發出呼籲時,許多西方人并不知道他。我明白,我在重複8年前流亡伊始的工作,推廣一個犯了“煽動顛覆國家政權罪”的陌生人,他已經被失蹤7個月,面臨10年以上的刑期。

    在這兒我引用一首王怡的詩——此時為他們而戰,是我流亡生活的重要部分。這很可能失敗,可如果我沉默,就連失敗的激情也將消逝殆盡——而這恰恰是一本見證性傑作的源泉——《1984》令人沮喪,寫出了《1984》,就不那麼沮喪了:



    在這個時代,你必須寫一首涉嫌犯罪的詩。
    一排漢語,可以顛覆一個政權。
    十四行詩,可以顛覆十四個政權。

    在秘密的化裝舞會上,讓認出你的人
    認出你來。認不出你的,更加認不出你。

    在這個時代,你必須讓領袖害怕一首詩。
    一個比喻,是一枚核彈。
    商女不知,滿紙荒唐言,一把亡國淚。

    在最糟糕的日子,也有巨大的湧浪襲來。
    死亡,成了囚犯,被水羈押著。

    誰不是政治犯家屬呢?誰不是鬼魂的未亡人?
    在這個時代,你朗誦一首詩,涉嫌三、五個罪名。
    你不朗誦,你就被他們朗誦。

    在這個時代,瞎子吶吶自語。
    神聖,神聖,神聖。瞎子問聾子,你看見了嗎?

    在這個時代,你必須寫一首涉嫌犯罪的詩。
    向那些涉嫌犯罪的人致敬。



                                    

                                       廖亦武 2019年5—6


Ist Hongkong entkolonialisiert?


Autor: Wir für Hongkong
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Hongkong ist eine Erzählung, die von vielen Epikern geschildert wird. Diese sind sich jedoch selten einig und jeder von ihnen erhebt Anspruch darauf, der einzige Autor der Erzählung zu sein. Obwohl die britische Herrschaft im Jahre 1997 endete, behaupten diverse Meinungskreise zugleich, dass Hongkong noch nicht entkolonialisiert sei. Dabei handelt es sich interessanterweise um Gruppen mit unterschiedlichsten Sichtweisen auf die Stadt: chinesische Funktionäre, Anhänger der politischen Linken, aber auch die Lokalisten. Wir sollten uns jedoch nicht durch die Verwendung der gleichen Worte in die Irre führen lassen, denn den Beurteilungen dieser verschiedenen Parteien liegen gegensätzliche Ideologien zugrunde. Sobald wir die jeweilige Interpretation der Aussage „Hongkong ist noch nicht entkolonialisiert” genauer betrachten, stellen wir fest, dass es sich hierbei nicht um einen gemeinsamen Nenner, sondern um eine tiefgehende Spaltung handelt, welche die politische Unruhe dieser ehemaligen Kronkolonie schürt.

Die Erzählungen klaffen auseinander, wenn es darum geht, wie die Autoren die Übergabe Hongkongs an das kommunistische China interpretieren. Die chinesischen Funktionäre, welche dieses historische Ereignis einstimmig als Hongkongs „Rückkehr zum Mutterland” bezeichnen, halten die Wiedervereinigung Chinas mit dem abgetretenen Territorium für das Ende der kolonialen Ära, einem „beschämenden” Kapitel in der Geschichte des modernen China. Allerdings wird der Zentralregierung durch den konstanten Widerstand gegen Peking und der Stärkung der lokalen Identität gezeigt, dass das „Herz der Hongkonger” noch nicht mit dem Territorium zum Mutterland zurückgekehrt ist. „Eine Entsinisierung ist im Gange, nicht jedoch die Entkolonialisierung”, beklagte Chen Zuoer, ein hochrangiger Funktionär in Peking, der für Angelegenheiten Hongkongs zuständig ist. Die Schuld auf die koloniale Hinterlassenschaft, und insbesondere auf den sogenannten „Kolonialkomplex” der Bürger, zu schieben, darin war man sich seit langer Zeit in den unbeliebten chinesischen Behörden einig. In der Politik Hongkongs wurde infolgedessen der Beschleunigung der „Entkolonialisierung”, beispielsweise durch die Einführung von patriotischer Erziehung, eine besondere Priorität zugewiesen. Dies führte jedoch ironischerweise zu noch schärferem Widerstand, und zwar von Aktivisten quer durch das politische Spektrum hinweg.

Mittlerweile haben Aktivisten des demokratischen Lagers, insbesondere die an postkolonialen Theorien festhaltenden Linken, ihre eigene Version, warum Hongkong in gewisser Weise noch stets unter kolonialer Herrschaft steht. Im Gegensatz zu der offiziellen Ideologie, welche mit einer Zentralisierung der Macht in Peking einhergeht, bedeutet Entkolonialisierung für die Linken, dass die einst strukturell unterdrückten Menschen ihr Recht zur Autonomie erlangen dürfen. Allerdings sind die Hindernisse sowohl wegen institutionellen als auch ideologischen Gründen groß. Einerseits bewahren die chinesischen Funktionäre bewusst ein System mit einer dominierenden Exekutivgewalt, welche mit einer limitierten gegenseitigen Kontrolle von Polizeikräften und gewissen Privilegien für indigene Gruppen gepaart wird. Dabei handelt es sich alles um Maßnahmen, welche noch aus dem britischen Kolonialzeitalter stammen. Andererseits, um es in den metaphorischen Worten des Soziologen Prof. Lui Tai-lok zu beschreiben, bestehe weitverbreitet – unter Politikern genauso wie unter Investoren und Einwohnern – der sehnsüchtige Gedanke Hongkong „einzufrieren”, also die ehemalige Laissez-faire-Wirtschaft intakt zu halten, um die Stabilität und den Wohlstand Hongkongs aus der Zeit vor der Übergabe zu sichern. Wie der renommierte Postkolonialtheoretiker Prof. Law Win-sang betonte, seien diese Hindernisse eine direkte Folge der „passiven Rückkehr”, bei der die Einwohner ihre eigene Zukunft nicht mitbestimmen konnten, die Hongkonger infolgedessen keine „Subjektivität“ etablierten und das Entkolonialisierungsprojekt ins Unendliche aufgeschoben wurde. Aktivisten, die durch das Programm der Linken motiviert werden, setzen bewusst das Zurücklegen der Aufgabe fort. Beispielsweise strebt Chu Hoi-dick, Gründer der Aktivistengruppe Land Justice League und Mitglied im Legislativrat von Hongkong, danach, die berüchtigten „Absprachen zwischen der Regierung, Unternehmen, Grundbesitzern und Triaden“ abzuschaffen, um „die Entkolonialisierungsschuld zu tilgen“..

In seiner Grundsatzerklärung im Jahr 2015 beschuldigte der ehemalige Regierungschef Hongkongs, Leung Chun-ying, öffentlich die Februarausgabe 2014 des Undergrad, die offizielle Zeitschrift der Hong Kong University Students’ Union, und einem von Undergrad veröffentlichten Buch „Irrtümer zu verbreiten“, was ironischerweise den Absatz des Buches boomen ließ. Die von Leung angekreidete Ausgabe des Undergrad trug auf der Titelseite das Thema „Hongkong als Nation, die ihr Schicksal selbst bestimmt”. Im selben Jahr erweiterten die Redakteure die Ausgabe zu einem Buch mit dem Titel Hongkong Nationalismus. Diese Arbeiten stellen die ersten Versuche dar, eine Theorie für die lokale Identität unabhängig von China zu entwickeln. Die Anhänger dieser Theorie, bekannt als Lokalisten, interpretieren die Übergabe 1997 als einen „Fall” der Nation Hongkong an einen fremden Aggressor, sodass die koloniale Herrschaft sich unter veränderter Flagge fortsetze. Für die Lokalisten bedeutet eine Entkolonialisierung in allererster Linie die chinesische Einflussnahme zu beenden und eine faktische Unabhängigkeit Hongkongs zu erlangen. Sie glauben, dass eine wahre Autonomie nicht möglich ist, solange sich Demokratie Anhänger als Chinesen identifizieren und in Peking um „Gnade” für demokratische Reformen bitten.

Diese drei Erzählungen über Hongkong sind nicht miteinander kompatibel. Sobald die drei Epiker aufeinandertreffen, kritisieren sie sich gegenseitig für ihre unterschiedlichen Sichtweisen. Im Auge der chinesischen Funktionäre ist jegliche Abweichung von der Zentralregierung ein Beweis für den „Kolonialkomplex”, der den Hongkongern von den Briten eingepflanzt wurde. Unterdessen ist für die Linken ein Nationalismus jeglicher Art schädlich für den Aufbau einer zivilen Gesellschaft. Die Lokalisten wiederum finden es hoffnungslos, in dem schamlos totalitären Regime um eine demokratische Reformierung zu fragen. Ein Gespenst geht um Hongkong – das Gespenst des Kolonialismus. Wird das Recht auf Autonomie, so wie die Verfassung Hongkongs es verspricht, früher oder später am Horizont sichtbar werden?


(1) Hierbei handelt es sich um politisch Linke in Hongkong, die der kommunistischen Regierung in Peking sowieso die Marionettenregierung Hongkongs meist kritisch gegenüberstehen.
(2) Überbegriff für Anhänger des Lokalismus in Hongkong, einer politischen Bewegung, die sich auf die Erhaltung der Autonomie der Stadt und der lokalen Kultur zentriert. Die Bewegung umfasst eine Vielzahl von Gruppen mit unterschiedlichen Zielen.
(3) Sinisierung bezeichnet den Prozess, eine gesellschaftliche Kultur chinesisch zu formen. Unter Entsinisierung versteht man das Erlangen von kultureller Unabhängigkeit von China.
(4) In einer kontroversen Rede am 12.9.2015 beschrieb Zhang Xiaoming, der Leiter des Büros des chinesischen Staatsrats für Hongkong- und Macao-Angelegenheiten, die politische Struktur der Sonderverwaltungszone als ein „exekutiv geführtes System mit einem Regierungschef im Zentrum”, und behauptete weiter, dass dem Regierungschef ein besonderer Status zukomme, welcher über Exekutive, Legislative und Judikative hinausgehe. “Zhang Xiaoming’s controversial speech on Hong Kong governance: The full text”, South China Morning Post (2015, Sep 16): Politics. https://www.scmp.com/news/hong-kong/politics/article/1858484/zhang-xiaomings-controversial-speech-hong-kong-governance.
(5) Lui, T. L., “終於需要面對未來:香港回歸及其設計上的錯誤”, Reflexion (思想) 19 (2011), “香港:解殖與回歸”: 89-101
(6)  Law, W. S., “香港本土意識的前世今生”, Reflexion (思想) 26 (2014), “香港:本土與左右”: 113-152.

(7) Triaden sind chinesische kriminelle Organisationen, die bisweilen auch als „Chinesische Mafia” bezeichnet werden.
(8) Li, Z., “自決派港大論壇辯論:民主vs民族”, Initium Media (2016, Oct 18): Hong Kong, URL=https://theinitium.com/article/20161018-hongkong-hkforum.
(9) Um genau zu sein umfasst der Begriff „Lokalisten” eine Reihe von Gruppen, die für einen Erhalt der lokalen Identität und Kultur kämpfen, aber nicht vorbehaltlos die Idee einer eigenen Nation Hongkong teilen. Ein prominenter Gegner unter den Lokalisten ist Chin Wan, bekannt als der Verfechter eines „chinesischen Bündnisses“. Wir verwenden den Begriff hier als eine allgemeine Bezeichnung für Anhänger des Nationalismus. Zumindest stellt das Prinzip einer nationalen Selbstbestimmung die größte Gemeinsamkeit unter verschiedenen lokalistischen Gruppen dar.
(10)  Die faktische Unabhängigkeit von Hongkong impliziert nicht notwendigerweise die Gründung eines eigenen souveränen Staates, obwohl dies von den chinesischen Offizieren als Begründung für die Unterdrückung der lokalistischen Bewegung verwendet wird. Beispielsweise versteht Leung Kai-ping, der ehemalige Chefredakteur von Undergrad, Hongkong im vom Politikwissenschaftlerin Montserrat Guibernau vorgeschlagenen Rahmen von „Nationen ohne Staaten“ und lehnt deutlich die Ansicht ab, dass eine Abspaltung die einzige Möglichkeit zur Selbstbestimmung sei (Vorwort I, Honghong Nationalismus, 2019, S. 7-12). In der Tat gibt es starke Unterschiede zwischen den lokalistischen Bewegungen hinsichtlich der Frage inwiefern Hongkong gegen China handeln sollte.





Die Schaden und Verschmutzung von dem Einsatz der Tränengas in Hongkong



Autor: Wir für Hongkong
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Von Juni bis zum 17. November hat die Polizei bereits fast 10.000 Tränengasgranaten abgefeuert, um die Demonstrationen gegen das Auslieferungsgesetz zu unterbinden, und mindestens 88% der dicht besiedelten Stadtgebiete waren vom Tränengas betroffen.

Schon im Jahr 1925 unterzeichneten 140 Staaten das "Genfer Protokoll", das besagte [1], dass man in kriegerischen Konflikten keine erstickenden, giftigen oder ähnliche Gasen, keine ähnlichen Flüssigkeiten, Objekte oder Geräte, keine chemischen oder biologischen Waffen sowie bakteriologischen Mittel benutzt, dies beinhaltet auch jede Form von Tränengas.

Warum kann man Tränengas nicht im Krieg benutzen, aber zur Bekämpfung von "Unruhen"? Der größte Unterschied vielleicht liegt darin, dass man im Krieg unschuldige Zivilisten in den umkämpften Städten hat, weshalb man diese chemischen Waffen nicht verwendet, um keine unnötigen nicht-tödlichen Verletzungen herbeizuführen. Bei Unruhen sind die meisten beteiligten Täter Erwachsene, also benutzen einige Länder und Regionen Tränengas noch, um Menschengruppen auseinanderzutreiben oder zum Zweck der Terrorbekämpfung. Tränengas bewirkt eine schmerzvolle Reizung von Haut und Augen und kann Atemwegserkrankungen wie Asthma auslösen. Deshalb kann es schnell Handlungen von Personen unterbinden und gegen "Unruhen" eingesetzt werden.    

Eine Forschergruppe hat 18 Personen untersucht, die in den Jahren 2008 und 2009 durch Tränengaskartuschen verursachte schwere Verletzungen erlitten haben [2],  44.4% der untersuchten Personen hatten Nervenschäden und 16,7% der Personen musste aufgrund der großen Verletzungen Körperteile entfernt werden. Zudem gibt es mindestens eine Studie, die besagt, dass wenn die Polizei das Tränengas bewusst oder versehentlich auf den Kopf zielt, dies zum Tode führen kann [3]. 

Die "nicht tödliche Waffe" Tränengas hat auch langfristige Gesundheitsfolgen für die Öffentlichkeit. Eine Studie von 2014 [4] besagt, dass eine Person, die im Durchschnitt mehr als achtmal Tränengas eingeatmet hat, danach langfristig 2 bis 2,5 mal so viel Auswurf, Husten sowie Schmerzen in der Brust hat wie andere Menschen. Da es keine direkte Methode gibt, um das Gift der Tränengasgranaten im Nachhinein zu entfernen, kann man die Giftstoffe aus dem Tränengas nur durch Verdünnung oder Auspülen reduzieren. Wenn man also bereits langfristige Erkrankungen der Atemwege, Augen oder Haut hat, kann es mit hoher Wahrscheinlichkeit schlimmere Auswirkungen nach sich ziehen, weshalb man im Krankenhaus mit Steroiden behandelt werden muss. Das Krankenhauspersonal muss bei dieser Therapie auch Schutzkleidung tragen, um nicht den Giftstoffen ausgesetzt zu sein.

Kinder, ältere Menschen und Langzeitpatienten mit Herzerkrankungen oder Asthma sind anfälliger für gesundheitliche Schäden und Nebenwirkungen nach Kontakt mit Tränengas. Kinder sind aufgrund ihrer Körpergröße am stärksten betroffen, da die Tränengaspartikel schwerer als Luft sind, außerdem ist ihre Atemfrequenz höher als bei Erwachsenen. Somit atmen sie mehr schädliche Stoffe ein, sie sind also eine besonders gefährdeten Gruppe. Tränengas ist schwerer als Luft, somit hat man bei durch Polizisten abgefeuertem Tränengas mehr Kontamination auf den unteren Etagen sowie am Boden. Zudem ist das Tränengas nicht wasserlöslich, daher ist es nicht möglich, bei Verdacht auf durch Tränengas kontaminierte Objekte mit Wasser zu reinigen. Diese müssen mit einem Reinigungsmittel gereinigt werden, dies gilt auch für kontaminierte Kleidung. 

Die Polizei in Hong Kong hat im weiteren Verlauf der Proteste zu in China hergestelltem Tränengas gewechselt. Dessen Verbrennungstemperatur ist höher als jenes des im Ausland hergestellten. Es gab sogar Ersthelfer, die nach Beschuss mit vermutlich chinesischen Tränengasgranaten Verbrennungen dritten Grades am Rücken erlitten. (link: TheStandNews︎ )


Einige Hongkonger Chemiker glauben, dass die hohe Temperatur des CS-Tränengases mehr chemische Verbindungen zersetzt, darunter Salzsäure (Acidum hydrochloricum, HCI, dieses Gas kann Wasser in der Lunge verursachen), Cyanwasserstoff (Hydrogencyanid, HCN) sowie extrem krebserregendes Dioxin. (link: TheStandNews︎)


Am Morgen des 17. November wurde von lokalen Medien die Konzentration von Cyanwasserstoff

des von der Polizei verschossenen Tränengases an der Polytechnischen Universität nahe des Wissenschaftsmuseums gemessen, dabei wurde ein gefährliches Höchstmaß von 28,6ppm gemessen. (link: facebook︎)

Laut dem amerikanischen National Institute for Occupational Safety and Health (NIOSH) beträgt die empfohlene Höchstgrenze für Cyanwasserstoff 4,7 ppm, laut Occupational Safety and Health Administration (OSHA) liegt die Höchstgrenze bei 10 ppm. Die durch die Tränengasgranaten freigesetzte Konzentration an Cyanwasserstoff  hat den Standard um mindestens das Drei- bis Fünffache überschritten. Wenn die stagnierende Konzentration in der Luft 20-40 ppm beträgt, zeigt der menschliche Körper nach einigen Stunden leichte Symptome.  (link: medicalinspire︎)

Cyanwasserstoff hemmt die Zellatmung (cellular respiration) und beeinträchtigt die aerobe Atmung. Während der normalen Atmung liefert der Körper Nährstoffe für wichtige Enzyme und erhält die normale Funktion des Körpers aufrecht. Wenn der Körper Cyanwasserstoff einatmet, können kognitive Störungen und Schläfrigkeit die Folge sein und damit die Fähigkeit zu flüchten. Dioxine sind langanhaltende Umweltschadstoffe (persistent environmental pollutants, POPs), die auf der ganzen Welt in der Umwelt auftauchen. Weil die Dioxine nicht so einfach im Körper abgebaut werden, wenn Tiere die Dioxine aus der Umwelt aufnehmen, sammeln sich die Dioxine in der Nahrungskette an oder gelangen mit deren Ausscheidungen wieder in der Umwelt. Und vor allem häufen sich die Dioxone im Fettgewebe an. Im menschlichen Körper ist der Abbau von Dioxin ebenfalls ziemlich langsam, z.B. das giftigste und relativ häufig vorkommende 2,3,7,8-Tetrachlordibenzo-p-dioxin (TCCD), der Stoffwechsel erfolgt hauptsächlich über die Leber, danach wird es in Form von Urin und Galle aus dem menschlichen Körper ausgestoßen.

Die Halbwertszeit vom Dioxin hängt davon ab, wo es sich absetzt. (Die Halbwertszeit ist die Zeit, die eine bestimmte Substanz benötigt, um ihre Konzentration durch eine bestimmte Reaktion auf die Hälfte der ursprünglichen Konzentration zu verringern.) Auf einer Pflanzenoberfläche kann die Halbwertszeit vielleicht nur einige Stunden betragen, auf der Bodenoberfläche unter UV-Licht beträgt die Halbwertszeit etwa ein bis drei Jahre, unter der Erdoberfläche kann es bis zu zehn Jahre dauern. Im menschlichen Serum und Fettgewebe kann die Halbwertszeit drei bis 25 Jahre betragen, der Effekt ist langfristig und kann Generationen andauern.

Da Dioxin allgegenwärtig ist, ist jeder ihm jederzeit ausgesetzt (sog. background exposure), aber die Weltgesundheitsorganisation glaubt, dass geringe Mengen an Dioxin nicht gesundheitsgefährdend sind. Mehr als 90% des vom Menschen aufgenommenen Dioxins kommt aus Fleischprodukten, Milchprodukten, Fisch und Schalentieren. Das größte durch Dioxin verursachte Problem ist, dass dieses das Sterben der Lymphozyten bewirkt, wodurch die Produktion von T-Zellen gehemmt wird. Infolgedessen kommen Störungen der Immunfunktion vor.


Gleichzeitig bewirken Dioxine auch genetische Mutationen, dies kann Missbildungen bei der Geburt bewirken oder Krebs erzeugen. Gegenwärtig ist eines der Merkmale der Aufnahme großer Mengen von Dioxinen durch den Menschen, dass die Haut Chlorakne hat. Einige Frontreporter haben gesagt, dass sie von Medizinern Chlorakne auf ihrer Haut bestätigt bekommen haben. (link: TheStandNews︎)


Die Regierung von Hongkong kennt die chemische Zusammensetzung und die Derivatverbindung des Tränengases noch nicht, auch nicht die langfristigen physischen und psychischen Auswirkungen auf den menschlichen Körper. Insbesondere unter Wissenschaftlern ist es schwierig, die genaue Wirkungsdauer der chemischen Giftstoffe zu benennen oder wie groß die Auswirkungen auf die Umwelt sein werden. Wenn die Auswirkungen von Tränengas schwerwiegender sind als angenommen, wird eine öffentlichen Gesundheits- und Umweltkatastrophe die Gesundheit von Generationen von Menschen in Hongkong beeinträchtigen.



ICRC IHL Database. (n.d.). Practice Relating to Rule 75. Riot Control Agents. Retrieved from https://ihl-databases.icrc.org/customary-ihl/eng/docs/v2_rul_rule75


Wani, M.L., Ahangar, A.G., Lone, G.N. & et al. (2011). Vascular Injuries Caused by Tear Gas Shells: Surgical Challenge and Outcome. Iran J Med Sci. 2011 Mar; 36(1): 14–17.


Abrar, A.W., Zargar, J. Ramzan, A.U. & et al. (2010). Head Injury Caused by Tear Gas Cartridge in Teenage Population. Pediatr Neurosurg 2010;46:25–28. doi: 10.1159/000314054


Arbak, P., Başer, I., Kumbasar, Ö.O., Ülger, F. (2014). Long Term Effects of Tear Gases on Respiratory System: Analysis of 93 Cases. The Scientific World Journal Volume 2014. doi: 10.1155/2014/963638


Carron, P. & Yersin, B. (2009). Management of the effects of exposure to tear gas. BMJ 2009;338:b2283. doi: 10.1136/bmj.b2283


Keine innere Angelegenheit

von Peter Sturm der FAZ (4.12.2019)


Es ist gut, dass zumindest ein Teil der Welt die Zustände in Xinjiang jetzt verstärkt zur Kenntnis nimmt. Niemand sollte erwarten, dass sich kurzfristig Grundlegendes zugunsten der Inhaftierten ändert. Aber Wegschauen darf auch niemand mehr. Das gilt übrigens auch für Unternehmen, die in Xinjiang engagiert sind.

Eine neue China-Politik? Nicht mit Merkel

von Clemens Wergin der Welt (2.12.2019)


Es ist höchste Zeit, unser Verhältnis zu Peking grundlegend zu überdenken.
China ist kein armes Entwicklungsland mehr, und die Hoffnung, durch Handel demokratischen Wandel zu erwirken, hat sich als trügerisch erwiesen. Stattdessen ist das Land aufgestiegen zum strategischen, wirtschaftlichen und ideologischen Konkurrenten des Westens. Darum ist es dringend nötig, eine neue China-Politik zu entwickeln, die all diese Elemente berücksichtigt.

Das heißt, die Sicherheitsrisiken sehr viel ernster zu nehmen, die durch Schlüsseltechnologien aus chinesischer Produktion erwachsen – Stichwort 5G und Huawei. Es verlangt auch, unfaire Handelspraktiken der Chinesen sehr viel aggressiver zu bekämpfen. Dafür ist die EU schließlich da, damit Europa auch gegenüber Giganten wie China genug Gewicht auf die Waage bringt.

Gewalt in Hongkong: Munition für Xi Jinping

von Friederike Böge der FAZ (15.11.2019)


Peking will den Protestgeist ein für allemal brechen

Es verheißt nichts Gutes, dass sich nun selbst die Hongkonger Polizei das schrille Vokabular vom angeblichen Kampf gegen Terroristen zu eigen macht. Mit der gleichen Wortwahl legitimiert China die massenhafte Inhaftierung von Muslime in Xinjiang.

Chinas Aggression ist Schwäche

Von Lea Deuber auf SZ


Bundeskanzlerin Angela Merkel schließt eine Beteiligung des Huawei-Konzerns am Ausbau des deutschen Mobilfunknetzes nicht aus. Angeblich, um Peking nicht zu verärgern. In den USA zwingt China die Basketball-Profiliga NBA, sich für einen Kommentar zu Hongkong zu entschuldigen.

Das Problem ist, dass die chinesische Regierung bisher keine außenpolitischen Instrumente entwickelt hat, die über das Erpressen, das wirtschaftliche Sanktionieren und das Bedrohen der Partner hinausgeht. Peking hat der Weltgemeinschaft kein Angebot vorzulegen, wie es in Zukunft international eine konstruktive Rolle übernehmen will.

Seid nicht naiv!


Von Ray Wong auf ZEIT


Das Kanzleramt schließt nicht aus, den chinesischen Konzern Huawei am Aufbau des Mobilfunknetzes 5G zu beteiligen. Huawei ist aber nicht irgendeine Firma. Sie ist eng verknüpft mit der chinesischen Regierung und dem Militär.

Das 5G-Netz ist so etwas wie das Fundament für die digitale Zukunft. Wenn die Bundesregierung bei dessen Sicherheit Kompromisse eingeht, macht sie damit früher oder später nicht nur die Arbeitswelt des Landes angreifbar, sondern auch die Privatsphäre der Bürger.

VORFÄLLE DER DEUTSCHEN BANK:In China lauert die Korruption bis heute


Von Hendrik Ankenbrand auf FAZ



Mit teuren Geschenken an chinesische Politiker wollte sich die Deutsche Bank Vorteile verschaffen. Der Fall lenkt den Blick auf ein Land, das trotz Mühen immer noch unter Bestechung leidet – auch wegen des Handelskriegs mit Amerika.

Deutschland hat in Sachen Korruptionsbekämpfung einen langen Weg hinter sich.

Doch selbst wenn sich die Manager der Bank mittlerweile geläutert haben, stellen sich viele Beobachter die Frage, wie viel Korruption es heute noch in China gibt. Immerhin fährt Präsident und Parteichef Xi Jinping seit seiner Machtübernahme Ende 2012 eine harte Kampagne gegen die Bestechlichkeit von Beamte.

In der Korruptionsrangliste von Transparency International liegt China im Mittelfeld, ist zuletzt aber etwas gefallen auf Rang 87.

Nur laufe die Bestechung nicht mehr so offen ab wie früher, als der Beamte die Rechnung seiner Reise mit der fünfköpfigen Familie auf dem Kreuzfahrtschiff in die Südsee über den Tisch geschoben und angemerkt habe, diese sei „sehr teuer“ gewesen.

Die Stadt ist am Siedepunkt



Von Joshua Wong auf WELT


Unser Autor, der Aktivist Joshua Wong, will bei den Hongkonger Lokalwahlen im November kandidieren. Die Regierung plant unterdessen, diese zu verschieben oder gar auszusetzen. Das treibt nun sogar die Arbeiter auf die Straße.

Wenn man bedenkt, dass das Risiko hoch ist, dass ich wegen meiner Rolle in der Protestbewegung ins Gefängnis komme, ist die Kandidatur kein Privileg, sondern vielmehr eine zusätzliche Last.

Aber im politischen System Hongkongs ist die Lokalwahl die einzige Direktwahl – und damit der einzige Weg für die Menschen, all die Unzufriedenheit zum Ausdruck zu bringen, die sich angestaut hat.

Die Hongkonger Regierung plant – unter Verweis auf die Proteste – , die Wahlen zu verschieben oder auszusetzen. Um das zu tun, muss sie allerdings erneut das Notstandsgesetz aus der britischen Kolonialzeit bemühen.

Diese Büchse der Pandora zu öffnen ist nicht weniger schädlich als chinesische Truppen einmarschieren zu lassen.


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Bevorstehende Veranstaltungen:



︎The Last Fight for Freedom: from Berlin to Hong Kong : 8 weeks Civic Education Program Series

︎Salon in Berlin: Paradox of the leaderless movement in Hong Kong
Speaker: 黃之鋒 Joshua Wong ︎ Interpreter: Yik-Mo Wong ︎ Moderator: Glacier Kwong





Why is the cotton from Xinjiang so beloved?


   


Many or most products made in China that rely at least in part on low-skilled, labour-intensive manufacturing can contain elements of involuntary ethnic minority labour from Xinjiang. The United Nations estimate from last year, around 1 million Uyghus are being forcibly held in the re-education camps in Xinjiang. This provides a huge supply of forced labour to the companies in Xinjiang. Inside the “vocational training centres”, the detainees are forced to work for producing garments, carpets, cleaning supplies, and other goods for domestic and international distribution. However, there is evidence showing that part of the detainees had already their own jobs, some were even successful businessmen.


Many multinational companies are expanding their business to China neglecting the abuse of human rights in the country, or even taking advantage of the corrupted system. China is the biggest trading partner of Germany and many German enterprises have set up their joint ventures with state-owned companies in China. The Volkswagen group has opened a plant in Xinjiang in 2013, which is within 90-minutes drive from four detention camps. However, the CEO Herbert Diess claimed that he was not informed of such mass detention.

Indeed, nearly half of the top 150 European enterprises have business in Xinjiang. Siemens collaborates with a Chinese state-owned military contractor, which has developed a police app in Xinjiang leading some Uyghurs sent to detention camps. Some enterprises even take part in the bribery game in China. From 2003 to 2013, Deutsche Bank has employed different family members of Chinese leaders to get its way to China, as it should be, they didn’t forget to send luxury gifts to Chinese leaders to win the deals.


The utilitarian mindset of making deals with evil has removed the obstacles for CPC to keep suppressing human rights.


Human rights should not be given a lower priority compared to other social concerns. The rising trend of veganism and fair-trade shows consumers’ increasing awareness of production ethics in Germany. People demand a greater transparency on the production chain of the daily products they buy, as they want to ensure neither animal rights nor the environment are harmed by their consumption behaviours. The story of Xinjiang should remind people in Europe: the history of totalitarian rule is not yet over. There are still people - a whole race indeed - who have no chance to retire and spend their first trip in the US.


                                             
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A few days after the 30th Anniversary of the fall of the Berlin Wall, Angela Merkel gave a compelling speech expressing Germany’s strong concern on freedom and human rights issues.


“But the values on which Europe is founded - freedom, democracy, equality, the rule of law, respect for human rights - are anything but self-evident. (...) In the future too, Europe must stand up for democracy and freedom, for human rights and tolerance. In times of profound technological and global change, this is more topical than ever.”


However, her acts belie her words.


The Germany federal parliament recently voted on a motion which proposes to cease, investigate and punish serious human rights violations in Xinjiang, China. (DE: Schwere Menschenrechtsverletzungen in Xinjiang beenden, aufklären und ahnden.) The motion has multiple demands, for example asking the Chinese government to release Uyghurs whose lives are endangered by the Chinese government, via the Federal Ministry of the Interior, for Building and Home Affairs not to deport Uighurs and ethnic Kazakhs to China, just to name a few.


While the motion is supported by the Green Party and FDP, the parliament has rejected the motion due to votes from the CDU/CSU, SPD, and AfD, whereas CDU is the political party which chancellor Angela Merkel belongs to.

Being known as the "Town of Cotton" in China, Awat boasts high-quality cotton and high-efficiency in production.


The human rights issues in Xinjiang may seem remote, yet in fact they have already been exported from China to every corner of the world, including Germany. As close as your neighbourhood, and even inside your wardrobe. China is the largest cotton producer in the world , accounting for 26% of global exports and almost 85% of its cotton is picked by Uyghurs in Xinjiang. World renowned retail chains, including IKEA, Muji, Uniqlo, H&M, Jeanswest, and Dangerfield, were revealed to have purchased cotton from Xinjiang — but most of the brands do not present "Xinjiang Cotton" as a selling point.


Since the Ürümqi riots in 2009, Xinjiang has long been under high degree control under the Communist Party of China (CPC). After Xi had become the president of China, the suppression of dissidents has become astonishingly strong. Under the name of deterring Uyghurs from extremism, the CPC takes various measures to erase Uyghuran cultures, identities and their religious beliefs. On one hand, the 
Uyghurs’ cemeteries were removed and rebuilt into so-called “Happiness parks”, and the islamic religious sites were further demolished. On the other hand, the Uyghurs are forced to celebrate Chinese festivals and abandon their mother language.



                                                 
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Why is the cotton from Xinjiang so beloved?




Reference

  1. „Doch die Werte, auf die sich Europa gründet – Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit, die Wahrung der Menschenrechte –, sind alles andere als selbstverständlich. Sie müssen immer wieder neu gelebt und verteidigt werden. Auch in Zukunft muss Europa für Demokratie und Freiheit, für Menschenrechte und Toleranz einstehen. Das ist in Zeiten tiefgreifender technologischer und globaler Veränderungen aktueller denn je.”                                                                   Rede von Bundeskanzlerin Merkel bei der Andacht zum 30. Jahrestag des Mauerfalls in der „Kapelle der Versöhnung" am 9. November 2019 in Berlin. (2019, November 9). Retrieved November 12, 2019, from https://www.bundeskanzlerin.de/bkin-de/aktuelles/rede-von-bundeskanzlerin-merkel-bei-der-andacht-zum-30-jahrestag-des-mauerfalls-in-der-kapelle-der-versoehnung-am-9-november-2019-in-berlin-1690432.
  2. Antrag der Abgeordneten Margarete Bause, Kai Gehring, Jürgen Trittin, Dr. Franziska Brantner, Agnieszka Brugger, Ottmar von Holtz, Uwe Kekeritz, Katja Keul, Dr. Tobias Lindner, Omid Nouripour, Cem Özdemir, Claudia Roth (Augsburg), Manuel Sarrazin, Dr. Frithjof Schmidt und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Schwere Menschenrechtsverletzungen in Xinjiang beenden, aufklären und ahnden. (2019, November 7). Retrieved November 12, 2019, from http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/055/1905544.pdf.
  3. 周欣 . (n.d.). In pics: "Town of Cotton" in NW China's Xinjiang. Retrieved from http://www.xinhuanet.com/english/2019-10/30/c_138515969_2.htm.
  4. Sheth, K. (2016, July 25). Top Cotton Producing Countries In The World. Retrieved from https://www.worldatlas.com/articles/top-cotton-producing-countries-in-the-world.html.
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