Die Schaden und Verschmutzung von dem Einsatz der Tränengas in Hongkong



Autor: Wir für Hongkong
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Von Juni bis zum 17. November hat die Polizei bereits fast 10.000 Tränengasgranaten abgefeuert, um die Demonstrationen gegen das Auslieferungsgesetz zu unterbinden, und mindestens 88% der dicht besiedelten Stadtgebiete waren vom Tränengas betroffen.

Schon im Jahr 1925 unterzeichneten 140 Staaten das "Genfer Protokoll", das besagte [1], dass man in kriegerischen Konflikten keine erstickenden, giftigen oder ähnliche Gasen, keine ähnlichen Flüssigkeiten, Objekte oder Geräte, keine chemischen oder biologischen Waffen sowie bakteriologischen Mittel benutzt, dies beinhaltet auch jede Form von Tränengas.

Warum kann man Tränengas nicht im Krieg benutzen, aber zur Bekämpfung von "Unruhen"? Der größte Unterschied vielleicht liegt darin, dass man im Krieg unschuldige Zivilisten in den umkämpften Städten hat, weshalb man diese chemischen Waffen nicht verwendet, um keine unnötigen nicht-tödlichen Verletzungen herbeizuführen. Bei Unruhen sind die meisten beteiligten Täter Erwachsene, also benutzen einige Länder und Regionen Tränengas noch, um Menschengruppen auseinanderzutreiben oder zum Zweck der Terrorbekämpfung. Tränengas bewirkt eine schmerzvolle Reizung von Haut und Augen und kann Atemwegserkrankungen wie Asthma auslösen. Deshalb kann es schnell Handlungen von Personen unterbinden und gegen "Unruhen" eingesetzt werden.    

Eine Forschergruppe hat 18 Personen untersucht, die in den Jahren 2008 und 2009 durch Tränengaskartuschen verursachte schwere Verletzungen erlitten haben [2],  44.4% der untersuchten Personen hatten Nervenschäden und 16,7% der Personen musste aufgrund der großen Verletzungen Körperteile entfernt werden. Zudem gibt es mindestens eine Studie, die besagt, dass wenn die Polizei das Tränengas bewusst oder versehentlich auf den Kopf zielt, dies zum Tode führen kann [3]. 

Die "nicht tödliche Waffe" Tränengas hat auch langfristige Gesundheitsfolgen für die Öffentlichkeit. Eine Studie von 2014 [4] besagt, dass eine Person, die im Durchschnitt mehr als achtmal Tränengas eingeatmet hat, danach langfristig 2 bis 2,5 mal so viel Auswurf, Husten sowie Schmerzen in der Brust hat wie andere Menschen. Da es keine direkte Methode gibt, um das Gift der Tränengasgranaten im Nachhinein zu entfernen, kann man die Giftstoffe aus dem Tränengas nur durch Verdünnung oder Auspülen reduzieren. Wenn man also bereits langfristige Erkrankungen der Atemwege, Augen oder Haut hat, kann es mit hoher Wahrscheinlichkeit schlimmere Auswirkungen nach sich ziehen, weshalb man im Krankenhaus mit Steroiden behandelt werden muss. Das Krankenhauspersonal muss bei dieser Therapie auch Schutzkleidung tragen, um nicht den Giftstoffen ausgesetzt zu sein.

Kinder, ältere Menschen und Langzeitpatienten mit Herzerkrankungen oder Asthma sind anfälliger für gesundheitliche Schäden und Nebenwirkungen nach Kontakt mit Tränengas. Kinder sind aufgrund ihrer Körpergröße am stärksten betroffen, da die Tränengaspartikel schwerer als Luft sind, außerdem ist ihre Atemfrequenz höher als bei Erwachsenen. Somit atmen sie mehr schädliche Stoffe ein, sie sind also eine besonders gefährdeten Gruppe. Tränengas ist schwerer als Luft, somit hat man bei durch Polizisten abgefeuertem Tränengas mehr Kontamination auf den unteren Etagen sowie am Boden. Zudem ist das Tränengas nicht wasserlöslich, daher ist es nicht möglich, bei Verdacht auf durch Tränengas kontaminierte Objekte mit Wasser zu reinigen. Diese müssen mit einem Reinigungsmittel gereinigt werden, dies gilt auch für kontaminierte Kleidung. 

Die Polizei in Hong Kong hat im weiteren Verlauf der Proteste zu in China hergestelltem Tränengas gewechselt. Dessen Verbrennungstemperatur ist höher als jenes des im Ausland hergestellten. Es gab sogar Ersthelfer, die nach Beschuss mit vermutlich chinesischen Tränengasgranaten Verbrennungen dritten Grades am Rücken erlitten. (link: TheStandNews︎ )


Einige Hongkonger Chemiker glauben, dass die hohe Temperatur des CS-Tränengases mehr chemische Verbindungen zersetzt, darunter Salzsäure (Acidum hydrochloricum, HCI, dieses Gas kann Wasser in der Lunge verursachen), Cyanwasserstoff (Hydrogencyanid, HCN) sowie extrem krebserregendes Dioxin. (link: TheStandNews︎)


Am Morgen des 17. November wurde von lokalen Medien die Konzentration von Cyanwasserstoff

des von der Polizei verschossenen Tränengases an der Polytechnischen Universität nahe des Wissenschaftsmuseums gemessen, dabei wurde ein gefährliches Höchstmaß von 28,6ppm gemessen. (link: facebook︎)

Laut dem amerikanischen National Institute for Occupational Safety and Health (NIOSH) beträgt die empfohlene Höchstgrenze für Cyanwasserstoff 4,7 ppm, laut Occupational Safety and Health Administration (OSHA) liegt die Höchstgrenze bei 10 ppm. Die durch die Tränengasgranaten freigesetzte Konzentration an Cyanwasserstoff  hat den Standard um mindestens das Drei- bis Fünffache überschritten. Wenn die stagnierende Konzentration in der Luft 20-40 ppm beträgt, zeigt der menschliche Körper nach einigen Stunden leichte Symptome.  (link: medicalinspire︎)

Cyanwasserstoff hemmt die Zellatmung (cellular respiration) und beeinträchtigt die aerobe Atmung. Während der normalen Atmung liefert der Körper Nährstoffe für wichtige Enzyme und erhält die normale Funktion des Körpers aufrecht. Wenn der Körper Cyanwasserstoff einatmet, können kognitive Störungen und Schläfrigkeit die Folge sein und damit die Fähigkeit zu flüchten. Dioxine sind langanhaltende Umweltschadstoffe (persistent environmental pollutants, POPs), die auf der ganzen Welt in der Umwelt auftauchen. Weil die Dioxine nicht so einfach im Körper abgebaut werden, wenn Tiere die Dioxine aus der Umwelt aufnehmen, sammeln sich die Dioxine in der Nahrungskette an oder gelangen mit deren Ausscheidungen wieder in der Umwelt. Und vor allem häufen sich die Dioxone im Fettgewebe an. Im menschlichen Körper ist der Abbau von Dioxin ebenfalls ziemlich langsam, z.B. das giftigste und relativ häufig vorkommende 2,3,7,8-Tetrachlordibenzo-p-dioxin (TCCD), der Stoffwechsel erfolgt hauptsächlich über die Leber, danach wird es in Form von Urin und Galle aus dem menschlichen Körper ausgestoßen.

Die Halbwertszeit vom Dioxin hängt davon ab, wo es sich absetzt. (Die Halbwertszeit ist die Zeit, die eine bestimmte Substanz benötigt, um ihre Konzentration durch eine bestimmte Reaktion auf die Hälfte der ursprünglichen Konzentration zu verringern.) Auf einer Pflanzenoberfläche kann die Halbwertszeit vielleicht nur einige Stunden betragen, auf der Bodenoberfläche unter UV-Licht beträgt die Halbwertszeit etwa ein bis drei Jahre, unter der Erdoberfläche kann es bis zu zehn Jahre dauern. Im menschlichen Serum und Fettgewebe kann die Halbwertszeit drei bis 25 Jahre betragen, der Effekt ist langfristig und kann Generationen andauern.

Da Dioxin allgegenwärtig ist, ist jeder ihm jederzeit ausgesetzt (sog. background exposure), aber die Weltgesundheitsorganisation glaubt, dass geringe Mengen an Dioxin nicht gesundheitsgefährdend sind. Mehr als 90% des vom Menschen aufgenommenen Dioxins kommt aus Fleischprodukten, Milchprodukten, Fisch und Schalentieren. Das größte durch Dioxin verursachte Problem ist, dass dieses das Sterben der Lymphozyten bewirkt, wodurch die Produktion von T-Zellen gehemmt wird. Infolgedessen kommen Störungen der Immunfunktion vor.


Gleichzeitig bewirken Dioxine auch genetische Mutationen, dies kann Missbildungen bei der Geburt bewirken oder Krebs erzeugen. Gegenwärtig ist eines der Merkmale der Aufnahme großer Mengen von Dioxinen durch den Menschen, dass die Haut Chlorakne hat. Einige Frontreporter haben gesagt, dass sie von Medizinern Chlorakne auf ihrer Haut bestätigt bekommen haben. (link: TheStandNews︎)


Die Regierung von Hongkong kennt die chemische Zusammensetzung und die Derivatverbindung des Tränengases noch nicht, auch nicht die langfristigen physischen und psychischen Auswirkungen auf den menschlichen Körper. Insbesondere unter Wissenschaftlern ist es schwierig, die genaue Wirkungsdauer der chemischen Giftstoffe zu benennen oder wie groß die Auswirkungen auf die Umwelt sein werden. Wenn die Auswirkungen von Tränengas schwerwiegender sind als angenommen, wird eine öffentlichen Gesundheits- und Umweltkatastrophe die Gesundheit von Generationen von Menschen in Hongkong beeinträchtigen.



ICRC IHL Database. (n.d.). Practice Relating to Rule 75. Riot Control Agents. Retrieved from https://ihl-databases.icrc.org/customary-ihl/eng/docs/v2_rul_rule75


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Arbak, P., Başer, I., Kumbasar, Ö.O., Ülger, F. (2014). Long Term Effects of Tear Gases on Respiratory System: Analysis of 93 Cases. The Scientific World Journal Volume 2014. doi: 10.1155/2014/963638


Carron, P. & Yersin, B. (2009). Management of the effects of exposure to tear gas. BMJ 2009;338:b2283. doi: 10.1136/bmj.b2283